
Ja,ja da ist er wieder, der durchwachsene April. Sei es das bescheidene Wetter, welches ab und an mal sommerliche Züge annimmt oder aber die damit verbundene Stimmungsachterbahn. Willkommen in einer der vielen Statistenrollen im Film "Mein Leben und ich", ein Film voller Missverständnisse, die manchmal an extremer Grenzwertigkeit nagen.
Nein, ich bin nicht schlecht gelaunt. Vielmehr lasse ich das vergangene Jahr wieder einmal, kurz vor meinem Geburtstag, Revue passieren. Wahnsinnig viel hat sich nicht getan: Ich wohne immer noch in meiner "1-Zimmer-mehr-kann-ich-mir-nicht-leisten-Wohnung", bin immer noch in dem Genuss die Schulbank zu besuchen und habe immer mal wieder das Vergnügen mich mit der Spezies Mann rumzuschlagen. Mal mehr, mal weniger positiv. Tja, alles nicht gerade das gelbe vom Ei möchte man meinen, manch einer sagt sogar "Hey! Freu dich doch, das es dir gut geht". Natürlich freu ich mich weder an der Schweinegrippe erkrankt zu sein, noch Hartz 4 zu empfangen. Ich freu mich so sehr, dass ich jeden Tag ein Faß aufmache und mich damit begieße. Vor lauter Jubel und Heiterkeit, vergesse ich sogar manchmal meine Hausaufgaben, ich Draufgänger.
Nein, ich bin auch nicht depressiv, selbst wenn es den Eindruck erweckt. Ich bin schlicht weg gelangweilt und habe wie üblich ein Gedankenpotpurri im Kopf, dem ich Luft und Raum geben möchte. Und heut ist diese Gelegenheit da. Zum Beispiel hatte ich letztens das Vergnügen, naja ein wenig her ist es schon, die Ersatzbefriedigung für einen Mann, nennen wir ihn Paul, zu sein. Ein wahres Fest für mich, da ich plötzlich der Mittelpunkt der Erde war, zumindest für die paar Stunden. Vorweg muss ich sagen, das Paul und meine Wenigkeit eine etwas, naja sagen wir nicht ganz einfache Beziehung zueinander haben. Mit Ersatzbefriedigung meine ich auch nicht nur den gemeinsamen Beischlaf, sondern auch irgendwie alles was man halt ab und an mal braucht sowie Beifall, aufmunternde Worte und sinnlos Gerede für die Seele. Das Übliche, man kennt es ja. Nicht das ich mich nicht auch ab und an daran erfreuen würde, natürlich tue ich das. Aber irgendwann kam dieser böse Gedanke auf "Ersatz" bzw. "Pausenbrot". So, in der Art und ich begann mir mal die Operation "Paul" genauer anzuschauen und bin zu folgendem Resultat gekommen, welches bahnbrechend und durchaus wissenschaftlicher Natur ist: Ich will Ihn, weil ich Ihn NICHT haben kann! Tatatata!
Ich erinnere mich gerne an früher, als meine kleine Schwester zur Welt kam. Mein bis dato größter Wunsch war ein Pony, obwohl ich Pferde nicht leiden konnte, um dieses Pony dann auf unseren Balkon zu drapieren. Im Krankenhaus dann präsentierten meine Eltern mir dieses kleine Mädchen, fortan meine Schwester. Ich bestand natürlich auf mein Pony, nur leider hatte ich keine passenden Argumente parat sowie etwa "wenn wir es nicht mehr brauchen, kommt es auf die Schlachtbank", durchaus ein starkes Argument aus heutiger Sicht. Nichtsdestotrotz habe ich mich irgendwann mit dem Gedanken angefreundet eine kleine Schwester zu haben. In der oralen Phase meiner Schwester, tat ich alles erdenkliche um doch noch hinterrücks an mein fast schon verlorenes Pony zu kommen. Ich legte kleine Legosteine zum verschlucken in ihr Zimmer und stiftete sie an, diese zu essen. In der Hoffnung, ich bekomme mein Pony. Vergeblich. Nach wochenlangem Austesten meiner bösartigen Absichten, habe ich es aufgegeben. Meiner Schwester ist natürlich nie etwas wirklich Schlimmes passiert, durch meine Aktionen.
Wenn ich so darüber nachdenke und versuche die Parallelen zwischen Operation "Paul" und Aktion "Pony" zu erschließen, kommt mir eigentlich nur der Gedanke: Wer ist eigentlich Paul? Und vor allem wer ist diese Person für mich? Vielleicht ist es mein ganz persönliches Pony 2.0.