
Da sitzt man nun, mit sich und dem Kaffee vor der Nase. Gleich daneben das Handy, parat zum Telefonieren. Heute ist wieder einer dieser Tage, an denen man meint die Weisheit mit dem Löffel gefressen zu haben und folglich den Kopf voller verrückter Gedanken hat, die unbedingt mitgeteilt werden möchten. Zumindest meint man das. Ich könnt mal wieder die gute Freundin anrufen, von der man Wochen bzw. Monate nichts gehört hat. So eine gute Freundin ist es... Wofür hat man denn eine Handyflatrate, dachte ich mir. Prompt wähle ich ihre Nummer. Doch schon während das Handy wählt wird mir bewusst, dass ich gar nicht mit ihr sprechen will. Geschweige denn ihr etwas erzählen. Unsere letzte Begegnung war im Sommer, schon da hatten wir unser übliches Portfolio schnell abgearbeitet: Arbeit, Schule, Familie, Freunde und Männer. Punkt. Das war es. Diese Abhandlung dauerte zusammengenommen 20 Minuten. Jeder hatte also 10 Minuten verbraucht. Wahnsinn, das schafft man nur innerhalb einer 10-jährigen Freundschaft oder in einer 25-jährigen Ehe. Kompliment. Ich fand es auch mühselig jede etwas kleinere Wichtigkeit zu erwähnen, die in den Monaten davor stattgefunden hat. Auch wenn sie für mich sehr elementar war und auch heute eventuell noch ist. Bei dieser besagten Freundin ist es auch so, dass man immer alles aus den letzten Wochen und Monaten, in einem Kaffeegespräch unterbringen muss damit man sein Soll erfüllt hat. Völlig unabhängig der Tatsache, das es auch zwischendurch nie ein Telefonat gegeben hat. Es ist die Situation die man mit seinem Chef hat, wenn man den Monatsbericht abgeben muss: kurz, knackig und bündig. Traurig, das es nach einer langjährigen Freundschaft nicht anders gehen kann. Aber wie oft hatten wir schon den Punkt an dem wir über unsere Freundschaft geredet haben, wie es weitergeht und weitergehen soll. Seit Jahren entwickeln sich unsere Leben in völlig verschiedene Richtungen, mal mit dem jeweils anderen, mal ohne ihn. Wahrscheinlich hält auch nur die Tatsache das es sich um eine so lange Freundschaft handelt, irgendwie zusammen. Manchmal finde ich es traurig, manchmal ist es mir fast egal. Das schlimme daran ist eigentlich, dass ich nicht die Worte finde um es anzusprechen und es gegebenenfalls zu lösen. Lohnt sich denn ein erneuter Kit in einer angeschlagenen Freundschaft, die seit Jahren vor sich hin tummelt? Ist es nicht manchmal besser los zu lassen?
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