Monday, November 05, 2012

I did it my way.


Gen Jahresende zieht fast jeder Bilanz aus den letzten zwölf Monaten. Es ist November und auch ich ertappe mich dabei, wie ich Revue passieren lasse. As usual. Nicht, dass ich dies nicht auch im laufenden Jahr täte... Vergleicht man diese Bilanz mit einer Herzfrequenz, so könnte man von einem auf und ab sprechen. Eher aber von einer 365-Tages-Tachykardie. Da passt sich das Herzvolumen den momentanen Erfordernissen an. Selbst die ersten Stunden dieses Jahres gestalteten sich als Wegweiser für das noch kommende. Es folgt nun kein Jahresrückblick, der seines gleichen sucht, vielmehr eine Anreihung diverser Bemerkungen und Ereignisse.
Beginnend mit dem einschneidenden ersten Quartal des Jahres kann ich sagen, dass ich als Rotkäppchen durchaus eine geeignete Figur gemacht habe und statt eines prall gefüllten Körbchens durch den Wald, eher durch ein recht prägendes Wochenende in der Karnevalshochburg gestapft bin. Da hieß es filmgerecht „Männer, die in Zelten schlafen“ und aus Nummer 1 wurde 2. Letzterem folgte ein noch andauernder Prozess von einigen Monaten. In denen das Herz ein erneutes Pflaster brauchte, musikalische Untermalung die nötigen Taschentücher reichte und ein Ausflug um die halbe Welt, um zu wissen, that our memories depend on a faulty camera in our minds... Gestärkt und voller Zweifel, ein Paradoxon, ging es weiter in der Tachykardie des Jahres. Es folgten Liebesschwüre, die poetischer kaum sein konnten und doch von eben denen kamen, bei denen das Herz kein Purzelbaum macht. Verabredungen, bei denen man sich wünschte, es wäre jemand anderes dran beteiligt gewesen. Kuriose Mitteilungen, Erklärungen und Weisheiten durch Web 2.0 und allen anderen Kommunikationsmitteln dieser Erde. Erkenntnisse in stillen und lauten Nächten, mit und ohne hochprozentigem. Ja, zwischenzeitlich dachte ich mir, ich sei in einer ironischen Dailysoap und doch immer mit der Frage im Kopf, ob ich solche Gemüter anziehe!?
Klinge ich resigniert? Nein, nicht direkt. Ich würde es eher als eine Art von Müdigkeit sehen. Mal kommt man mit ihr besser durch den Tag, mal eben etwas angestrengter. Dennoch sehe ich mich, wie ich zuvor schon oft schrieb, in ferner Zukunft mit jemandem im Park sitzen, mit grau-meliertem Haar die Enten fütternd in der Abendsonne – den Mann an meiner Seite voller Liebe anschauend. Hoffnung und Mut, dass ich mich weiter in die Abgründe stürze habe ich wohl immer noch in petto. Mit einer gehörigen Portion Wahnsinn! Auch wenn das Motto des Jahres lautet „fern statt nah“...

Konfetti.


Monday, May 07, 2012

Modern Love is War.

Liebe. Ein Wort, mit dem man tausende Gedanken, Emotionen, Geschichten und Erlebnisse verbindet. Doch was macht es heute so anders als damals? Wieso hören wir gespannt den Erzählungen unserer Eltern, Großeltern oder whatever zu? Sie lernten sich kennen, gingen aus, kamen zusammen, heirateten, bekamen Kinder - Peng! Ende im Gelände! In Zeiten von Pest und Cholera, Kriegen und Inflationen. Es gab keine Zweifel, es passierte und es war anscheinend sehr leicht. Die moderne Liebe hingegen, die wir weitgehend kennen, zeugt von Anstrengungen, Bedenken, Zweifeln, tragischen Erlebnissen, verpassten Chancen und der immer wiederkehrenden Frage 'Was wäre wenn...'. Und dazwischen gibt es die kleinen tollen Geschichten, die uns neidisch werden und uns Hass entwickeln lassen. Es sind die von Menschen, die erzählen wie schön und einfach doch alles ist. Geschichten, die mit dem Satz enden 'Es passte einfach alles'. Disney-Romantik, die uns kotzen lässt. Unmittelbar dringt die Frage in den Kopf, was machen die anders als ich? Wo ist der Fehler? Warum ist es bei mir nicht einfach?
Stattdessen quälen einen jeden Tag auf´s neue bekloppte Gedanken, Hirngespinste und eben diese kreisen um die eine Person, mit der es irgendwie nicht klappen will oder mit der es irgendwie abnormal vor sich geht. Man lernt sich kennen, trifft sich, irgendwie glaubt man es passt und dann beginnt der Terror. Man überdenkt jede scheiß Handlung, jedes Wort, jede Geste und ist man ist mehr damit beschäftigt, als miteinander. Ruf ich an, ruf ich nicht an, sehen wir uns, sehen wir uns nicht, ist es unverbindlich oder mehr... Fragen, Fragen, Fragen. Die niemand beantwortet, man selbst am allerwenigsten. Kopffick deluxe. Der Kopf, an sich der schlaue und rationale Part an einem, fährt Karussell und lässt ab und an durchblicken: 'Hey, das ist ganz große Scheiße, die du da machst!'. Recht hat er. Man sollte einfach weiterziehen und das, was nicht richtig rund läuft, hinter sich lassen. Schließlich hörte man schon immer, wenn es nicht klappt, dann hat es seinen Grund. Oder auch schön, der Satz: 'Wenn er/sie dich will, dann klappt es auch!'. Fuck you! Das Herz, der Verantwortliche für das persönliche Waterloo, ist hingegen der, der dir Flausen in den Kopf treibt. Dich verzweifeln lässt, dich Briefe schreiben lässt, dich Mixtapes machen lässt - der dich dazu ermutigt, die beklopptesten Sachen auf Erden zu machen... irgendwie ist es die Person wert. Das Herz muss es wissen, er ist schließlich der gestörteste Part an einem. Dann lernt man jemand anderen kennen. Augenscheinlich perfekt: unkompliziert, man ruft einfach an, man trifft sich. Keine Probleme, es läuft. Es funktioniert. Gibt es also doch noch, ist wohl doch kein großer Fake, der uns vorgegaukelt wird. Ist ja auch ganz nett soweit. Nett.
Man will aber Chaos, man will Zweifeln, man will irre werden, man ist kurz vorm ausrasten und man braucht es! Wie ein Junkie auf Heroin. Ist das moderne Leidenschaft? Leidenschaft ist das, was Leiden schafft. Leiden tun wir auf höchstem Niveau, wenn auch krank und subtil. Viele verstehen nicht, warum man an etwas festhält, was nicht klappen will. Ja, jeder ist irgendwie gestört, geschädigt und gebrannt. Doch man kann nicht verstehen, was zwischen zwei Menschen ist. Das wissen ja nicht mal die beiden selbst im worst Case. Im Zuge dessen kommen gut gemeinte Floskeln, die sich alle in ihren Arsch schieben sollen. Moderne Liebe ist Krieg. Krieg auf hohem, kranken Niveau. Und der Begriff 'Liebe' ist allgemein gehalten. Wer weiß schon, was Liebe ist, für manch einen ist es andauernde Verknalltheit, für andere ist es die Tatsache, dass man auf dem Schlachtfeld zusammenhält und miteinander kämpft.
Trotzdem weiß man nie, wann man verloren hat oder wann man weiterkämpfen soll. Und vor allem für was kämpft man da überhaupt? Und ist es an sich eigentlich kämpfen? Oder ist es bloß normal für uns geworden, sich freiwillig in die Abgründe zu stürzen? Komplikationen gehören zum guten Ton und durch moderne Waffen, wie eben das geistesgestörte Herz, treiben wir uns in den Wahnsinn. Wahnsinn namens 'Liebe', oder was immer es auch ist. Ja, wir befinden uns ein wenig im Krieg. Und die Geschichte lehrte uns bereits, dass man auch mal gewinnen kann. Und ein Gewinn kann auch sein, dass wir im entschiedenen Moment loslassen können...