Sunday, May 10, 2009

Tatort: Herz.


Es wird nicht mehr lange dauern. So wie es momentan aussieht. Fast schon unheimlich das es doch noch passieren wird. Will ich das überhaupt? Plötzlich ist es alles so schnell und eine gewisse Eigendynamik stellt sich ein, die ich nicht überblicken kann. Normalerweise bereitet mir so etwas ja eher ungute Gefühle und Kopfzerbrechen, aber ich bin ein wenig optimistisch gestimmt. Wie es wohl sein wird? Wie werde ich damit umgehen ohne völlig auszuflippen vor Angst und vor Freude? Oh man, ich merke wie mein Gesicht sich zu einem grinsenden Etwas verwandelt. Vorfreude ist und bleibt die schönste Freude. Meine Freunde hatten mir zuliebe immer gesagt, dass sich alles zum Guten wenden wird und tatsächlich habe ich auch mal Glück. Dieses wonnige Gefühl in der Magengegend, so schön. So warm, so lang herbei gesehnt und schon fast wieder vergessen wie es sich anfühlt. Es ist schön, zu spüren das man nicht völlig abgestumpft ist, nach all den Enttäuschungen. Viel mehr kann man ein Herz gar nicht mehr flicken. Es hat schon genug Pflaster an sich kleben.
Ich werde nervös, da es sich immer mehr dem Punkt nähert an dem ich endlich zum Zuge kommen werde. Keine unnötigen Gedanken mehr, kein Zappeln, kein Nur-so-tun-als-ob. Es ist richtig. Es ist echt. Bedenken hatte ich viele, angefangen von meinem kaputten Selbstwertgefühl bis hin zu den äußeren Umständen, die es nicht zu lassen. Doch irgendwas ließ es doch zu und bescherte mir ein wenig Glück. Einen kleinen Becher to go. Anfangs etwas zu heiß um es festzuhalten, aber nach einer kurzen Eingewöhnung wollig warm und köstlich zu gleich. Nun trotte ich daher mit meinem kleinen Becher Glück, verzückt und euphorisiert. Mit dem Blick nach vorne. Voller Hoffnung. In einem kurzen Moment nehme ich ein Schluck vom Glück. Ein wenig zu hastig, denn ein wenig geht verschütt. Trotzdem trotte ich weiter, mein Ziel vor Augen. Gleich hab ich es geschafft, nur noch ein bisschen. Gegen meinen Willen werden meine Beine ein wenig schneller und ehe ich mich versehe, stehe ich vor dem was ich eigentlich möchte, was mich beflügelt. Mir wird warm auf der Hand und ich werfe einen kurzen Blick auf meinen kleinen Becher Glück. Der Deckel ist verrutscht und an der Seite des Bechers tropft das Glück auf meine Hand. Mir wird kalt. Ich gucke auf den Boden, auch dort liegt das Glück bereits. Ich drehe mich um und schaue den Weg zurück, wo überall etwas von meinem Glück liegt. Meine Sicht ist verschwommen, meine Wangen nass. Der Becher ist leer.